Am 2. Juni 2011 passierte das unglaubliche: Der Mast brach. Wie konnte das passieren?
Die Ausgangssituation: Der 2. Juni 2011 war ein sehr windiger Tag. Es war sonnig bei Temperaturen zwischen 20 und 26 Grad. Der Wind kam mäßig aus Nord bis Nordost. Ich hatte mit meiner Tochter noch länger überlegt, ob wir einen Geocache machen oder segeln gehen. Schließlich entschied ich auf segeln.
Wir waren gerade dabei das Boot fertig zu machen, als noch ein Bekannter anrief. Er kam noch dazu, so dass wir zu dritt waren. Der Wind blies etwas mit 4 bis 5 Beaufort und war sehr böig.
Aus dem Grund setzte ich die kleine Fock. Wir segelten los in Richtung Wallhausen. Etwa in Höhe Sipplingen wurden die Böen so stark, dass ich entschloss ein Reff zu setzen. Dazu gingen wir auf Halbwindkurs. Stefan, mein Bekannter, steuerte weiter während dessen ich das Großfall löste und ein Reff rein machte. Wir waren nicht lange weitergesegelt als Stefan erstaunt den Mast hochschaute und die Frage stellte: "Was ist das?". Der Mast hatte eine negative Vorkrümmung. Wann und wie auch immer, war der Mast umgesprungen. Bei normal gespannten Oberwanten ist er nach vorne etwas durchgekrümmt. Wir holten sofort das Großsegel und die Fock herunter. Der Mast ging wieder in die alte Position. Ich zog noch einmal die Oberwanten nach und dann segelten wir weiter. Wieder einige Minuten später die gleiche Frage von Stefan. Doch diesmal war der Mast etwa in Höhe der Saling gebrochen.
Sofort holten wir den Mast ganz runter und bargen die Reste irgendwie auf dem Deck. Der Schock war groß. Wie konnte das passieren?
Zu Hause schaute ich im Windfinder, was dieser den Tag gemessen hatte. Es waren in Böen 6 bis 7 Beaufort. Trotzdem hätte das nicht passieren dürfen.
Weitere Erklärungen mussten gesucht werden. Es ist immer schwer, hinterher festzustellen, was genau die Ursache war. Doch ich denke es sind mehrere Dinge zusammen gekommen.
Wantenspannung: Im Jahr zuvor hatte mir ein Bekannter geholfen, den Mast zu stellen. Mit Hilfe eines Wantenspannungsmeßgeräts hat er die Wantenspannung gemessen. Nach einer Anleitung von Beneteu bzw. Z-Spars kann unter bestimmten Umständen auf das Babystag verzichtet werden:
Release backstay and then decide whether you want to keep babystay rigged. If you remember to keep prebend in mast at all times, the babystay can be omitted. However, remember that failing this you could loose you mast especially in heavy weather under spinnaker.
In diesem Jahr hatte ich den Mast alleine gestellt. Ich hatte die Ober- und Unterwanten zwar recht stark angezogen, doch hatte ich schon einige Male beim Segeln festgestellt, dass die Wanten lose bekamen. Deshalb hatte ich an diesem Tag sowohl Ober- als auch Unterwanten noch einmal nachgezogen.
Trotzdem war wahrscheinlich die Wantenspannung nicht hoch genug, um den Mast, wie oben beschrieben, immer unter Spannung zu halten.
Babystag: Schon im Jahr zuvor hatte ich lange die Frage gestellt, ob man nicht auf das Babystag verzichten kann. Der Bekannte, der mir geholfen hatte den Mast zu stellen, hatte den Artikel von Beneteau gefunden und danach die Wanten eingestellt. Ich selbst habe mich nicht mit dem Artikel beschäftigt - ein Fehler wie sich im Nachhinein zeigte. Denn es wird darauf hingewiesen, dass dies für leichte bis mittlere Winde gilt. Das Babystag hat bei Starkwind die Funktion, den Mast zusätzlich nach vorne zu stabilisieren. Es mag außergewöhnlich klingen, dass ein Boot in der Größe ein Babystag hat. Doch wahrscheinlich ist das Z-190 Profil von Z-Spars für die Mastlänge grenzwertig und deshalb das Babystag bei starkem Wind notwendig.
Salinghalterung: Ein Schwachpunkt bei den Masten war die Salinghalterung. Bei den werkseitig ausgelieferten Booten waren dies zwei einzeln aufgesetzte Aluminium-Druckgussteile. Es gibt mehrere Berichte auf der US-Internetseite zur First 235 wo eine gebrochene Salinghalterung zum Mastbruch führte. Später wurde diese in einem Stück und zur Hälfte um den Mast gehend gefertigt.
Reffen: In manchen Büchern wird als Tipp empfohlen, zum Reffen auf einen Halbwindkurs zu gehen. Bei 7/8 getakelten Booten muss man wissen, dass das gesetzte Großsegel wesentlich zur Stabilität des Mastes beiträgt. Es ist unter dem Gesichtspunkt erstaunlich, dass viele auf dem Bodensee bei starkem Wind nur mit Fock, oder noch schlimmer, nur mit der gesetzten Genua segeln. Wenn hier dann noch das Achterstag (versehentlich) gelöst wird, ist ein Mastbruch vorprogrammiert.